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herve, 2002-02-18 22:43:12 Ich frage mich schon lange, wie man die zwei deutschen Begriffe "Weltanschauung" (fr "vision du monde) und "Bildungsroman"(fr "roman de formation") ins Bretonische überstzen könnte. Solche Fragen werden durch den Mangel an theoretischen Schriften im bretonischen besonders erschwert. Könnte mir jemand dabei behilflich sein ? Vielen herzlichen Dank a galon Herve Re: Bildungsroman / Weltanschauung Immi, 2002-02-20 00:38:43 Für «Weltanschauung» finde ich in meinem deutsch-bretonischen Wörterbuch drei Übersetzungen : sell ouz ar bed, meizaderezh, empennerezh «Bildungsroman» ist jedoch leider nicht drin. A galon, Immi Re: Bildungsroman / Weltanschauung herve gouedard, 2002-02-21 09:39:31 Danke Immi ! diese drei Ausdrücke, die G Cornillet in seinem Wörterbuch vorschlägt,kannte ich schon . Was ich leider nicht weiss, ist, in welchem genauen Zusammenhang man sie gebrauchen kann.Wie ich es schon gesagt, habe ich bisher keinen von ihnen im Bretonischen gelese, und ich zögere. Für "Bildungsroman" könnte man vielleicht "romant stummadur" vorschlagen. Das ist die wörtliche übersetzung sowohl des Deutschen "Bildungsroman", wie auch des Französischen "roman de formation" herzliche Grüsse herve Re: Bildungsroman / Weltanschauung Frañsoaz Lermen, 2002-02-21 21:45:48 Mit "sell" (Blick) wird meines Erachtens der Sinn von "Anschauung" nicht wiedergegeben. Wenn ich jemandem sage "taol ur sell ouzh ar bed", so meine ich "Gucke doch mal um dich herum". In der Umgangssprache würde ich ganz spontan "doare da welout" für "Anschauung" verwenden. So würde ich z.B. sagen: "un doare iskis da welout ar bed" (eine komische Weltanschauung". Wenn es allerding darum ginge, eine kluge Rede zu halten oder eine Schrift zu verfassen, die den Eindruck erwecken soll, dass ich etwas auf dem Kasten habe, so würde ich mir natürlich Gedanken machen und vor allem nachschlagen. Und zwar im Wörterbuch von "Ar Glew", denn der horrende Preis, den ich dafür bezahlt habe muss sich schließlich rentieren ;-) Daher habe ich auch nachgeschlagen und sehe gerade - unter dem Stichwort "vision" (façon de voir) - "gweladurezh" und "selladur". Der erste Begriff gefällt mir besser, denn "selladur" würde ich eher mit "Betrachtung" bzw. "Betrachtungsweise" als mit "Anschauung" übersetzen. Wie wäre es also mit "gweladurezh eus ar bed" ? "Meizaderezh" (warum denn nicht "meizadurezh" oder einfach "meizerezh" oder "meizadur"?) erscheint mir zu sehr zusammengeschustert und die Endung -erezh nach der Endung -ad befremdet mich. Außerdem würde ich unter "meizadur (meizadurezh) eus ar bed" eher "Weltauffassung" verstehen, das ich wiederum (umgangssprachlich) mit "doare da gompren ar bed" oder "doare da veizañ (da verzout) ar bed" übersetzen würde. "Empennerezh" hat für mich einen recht negativen Klang. Es ist nur meine ganz persönliche Meinung aber "empennerezh eus ar bed" würde ich so interpretieren: "die Ideen, die sich jemand über die Welt in den Kopf gesetzt hat". Für "Bildungsroman" würde ich "Romant stummidigezh" vorschlagen, da mir der Begriff "stummadur" zu konkret und vor allem zu eng erscheint. Ich würde zwar "stummadur micherel" für "Berufsausbildung", jedoch "stummidigezh ar bersonelezh" für "Persönlichkeitsentwicklung" oder "Persönlichkeitsbildung" verwenden. Und darum geht es ja hauptsächtlich in dem Bildungsroman. "Romant stummerezh" könnte vielleicht auch passen, da der Zunkunftsroman "Enez ar Rod" in seinem Vorwort als "Romant diarbennerezh" bezeichnet wird. Wahrscheinlich wäre es besser, solche Fragen auf dem bretonischen Forum zu stellen, denn es würde sich bestimmt ein eifriger Leser von "Lavar" finden, der mit der richtigen Antwort aufwarten könnte. Aber man muss auch ein bisschen Leben hier reinbringen. Das ist der Grund warum ich nach einigem Zögern meinen Senf dazu gegeben habe, denn die Theorien, die ich hier ausgebreitet habe, entspringen nur meinem eigenen Sprachempfinden, das ich keineswegs für allgemein gültig erklären möchte. A galon FL Re: Bildungsroman / Weltanschauung herve gouedard, 2002-02-23 17:05:10 Als ich diese Frage auf diesem deutschsprachigen Forum stellte, hatte ich tatsâchlich vor, diese Seiten ein bisschen zu beleben.Ich danke Immi ha Fransoaz, die geantwortet haben, und auch diejenigen , die auch gern geantwortet hätten, aber keine Antwort wussten. Das was Fransoaz schreibt verrät jedesmal sachkenntnisse, und ich vertraue mich auf ihr "eigenes Sprachempfinden" Für da Wort "vision" in : "vision d' un problème" zbs habe ich gant zufällig folgenden Satz im Wörterbuch le Glew gefunden : -expérience p 1327 : "Tremenet eo an emsaverion eus pazenn ar buhezadur personel d' ur gweladur sklaer eus kudennoù Breizh" ich bin nicht so sicher, wie man das ins DEutsche übersetzen würde...aber so was wie : die Anhänger der Emsav sind von Stufe der persönlichen Erfahrung zur präzisen Wahrnemung der Probleme der Bretagne übergegangen a galon herve Re: Bildungsroman / Weltanschauung Frañsoaz Lermen, 2002-02-23 21:53:47 Ich denke auch, dass man es so übersetzen könnte. In "Geriadur ar Bredelfennerezh" habe ich nach dem Wort "buhezadur" gesucht, das man auch mit "vécu" (Erlebtes) übersetzen könnte und dabei, ganz zufällig, eine interessante Entdeckung gemacht (s. S. 95, Nr 457 unter "Expérience"). Ich bin wieder auf das Wort "diarsell" (Perspektive) gestossen, das ich schon in "Geriadur ar Mediaoù" gefunden und auch im Forum "Liesseurt" (Faden: perspective, fortifications, proportion) erwähnt hatte. Wiedersehen macht Freude :-) A galon FL Re: Bildungsroman / Weltanschauung herve gouedard, 2002-02-25 23:20:38 über "Weltanschauung" : Ich hatte zum Neujahr den festen Entschluss gefasst, mal wieder in alten bestaubten Büchern zu stöbern, und ganz zufällig bin ich gestern auf eine andere Übersetzung für "Weltanschaung" gestossen : in "dafar geriadur ar yezh arnevez" wird "bedouriezh" vorgeshlagen. Was halten Sie davon ? Was mich betrifft, verstehe ich nicht gut diese Wortbildung und würde mich freuen, wenn Sie mir darüber Aufschluss geben könnten. vielen Dank Herve Gouedard Re: Bildungsroman / Weltanschauung Frañsoaz Lermen, 2002-02-26 18:03:12 Meiner Meinung nach bedeutet "bedouriezh" nicht etwa "Weltanschauung" sondern viel mehr "Kosmologie". Zu diesem Schluß bin ich gekommen, nachdem ich ein paar Wörter auf -ouriezh unter die Lupe genommen habe: prederouriezh (Philosophie) steredouriezh (Astrologie) kizellouriezh (Bildhauerei) douarouriezh (Geologie) yezhouriezh (Sprachwissenschaft) All diese Wörter bezeichnen eine Kunst oder eine Wissenschaft. In der Grammatik von F. Kervella habe ich noch ein paar mehr gefunden (strilhouriezh, kevredouriezh, maenouriezh, tudouriezh, oablouriezh) sowie den Satz: "An dibenn -OURIEZH a vez savet gantañ er yezh a-vremañ un niver bras a anvioù skiantel" (s. S. 442 Nr 848). So könnte die Endung -OURIEZH der Endung -LOGIE (Lehre von...) gleichgesetzt werden. Und wenn man das Wort "bed" im Sinne von "Universum" versteht, so könnte man durchaus "bedouriezh" mit "Kosmologie" übersetzen. Diese Theorie, die zuerst nur auf einer vagen Vermutung beruhte, scheint mir inzwischen stichhaltig zu sein, denn der Begriff "bedouriezh", den ich nirgendwo unter den bretonischen Stichwörtern finden konnte, habe ich zu guter Letzt doch noch endeckt. Nämlich im französisch-bretonischen Wörterbuch von F. Vallée sowie im französisch-bretonischen Teil des Wörterbuchs von R. Hemon... als Übersetzung für das Wort "cosmologie". Wiedersehen macht Freude!!! A galon FL Re: Bildungsroman / Weltanschauung herve gouedard, 2002-02-26 19:11:50 Was Sie schreiben scheint mir ganz richtig zu sein (aber ich selber wäre kaum auf die Idee gekommen, so zu furchen) und ich verstehe nicht aus welchem Grund "bedouriezh" als Übersetzung für "Weltanschauung" vorgeschlagen, ja sogar aufgenommen wurde. : die Kosmologie ist die "Lehre von der Entstehung, Entwicklung und Zustand des Kosmos", während eine Weltanschauung "die Art wie der Mensch die Welt und ihren Sinn sowie sein Dasein in ihr betrachtet und beurteilt ist"..... herzkliche Grüsse und vielen dank kenavo d' ar c'hentañ tro HGouedard Re: Bildungsroman / Weltanschauung Frañsoaz Lermen, 2002-03-21 23:02:11 Wenn es um konkrete Begriffe geht, die im Alltagsleben verwendet werden, ist das Wörterbuch von Gérard Cornillet durchaus zuverlässig. Ich finde es sogar gut und empfehle es auch meinen Studenten, da es einige Anwendungsbeispiele und Redewendungen enthält, die man im Wörterbuch von R. Hemon leider vermisst. Aber sobald es um abstrakte oder technische Begriffe geht, ist dieses Wörterbuch mit Vorsicht zu geniessen. Das gleiche gilt übrigens auch für fr/br und br/fr Wörterbücher. Dies ist dadurch zu erklären, dass die bretonische Sprache jahrhundertelang nicht unterrichtet und kaum geschrieben wurde. Sie wurde fast ausschließlich von einfachen Leuten gesprochen, die weit davon entfernt waren, sich mit abstrakten Konzepten zu befassen und philosophische Gedanken zu hegen (ich sage das nicht abwertend, denn meine Vorfahren gehörten auch dazu). Es gab freilich auch gebildete Leute, die Bretonisch sprachen. Da sie jedoch über eine andere Sprache verfügten, um Gedanken auszudrücken, die über den Bereich des Alltags hinausgingen, haben sie sich (bis auf wenige Ausnahmen) kaum die Mühe gemacht, das Niveau der bretonischen Sprache zu heben. Als Ergebnis davon fehlen heute Abertausende von Begriffen, die in anderen Sprachen schon längst vorhanden sind. Sie müssen natürlich geschaffen werden und werden es auch. Aber wie es sehr oft passiert, sind sich die Gelehrten nicht einig. Nehmen wir mal als Beispiel das Wort "Architektur", das im bretonischsprachigen Forum Gegenstand einer Diskussion war: in einem Wörterbuch findet man "tisaverezh", in einem anderen "tisavouriezh", in einem dritten "savouriezh" ohne "ti" davor... Und im modernen Bretonisch verwendet man sogar den Begriff "adeiladouriezh", der nach walisischem Vorbild kreiert wurde. Ob sich dieser Begriff jemals durchsetzen wird, wage ich sehr stark zu bezweifeln, obwohl ich nicht an der sprachlichen Kompetenz der Leute zweifle, die ihn geschaffen haben. Das andere Extrem bilden die französischen Wörter, die von manchen (meist alten) Leuten fast unverändert übernommen werden, wenn es darum geht ein Loch im Gespräch zu stopfen. Und Löcher gibt es mittlerweile so viele, dass sich ihr Bretonisch fast nur noch durch die Satzstellung vom Französischen unterscheidet - ganz im Gegensatz zum modernen Bretonisch, das nur Wörter keltischen Ursprungs zulässt, dessen Satzstellung aber sehr stark an die des Französischen erinnert. Es ist meiner Meinung nach dringend erforderlich, einen Mittelweg zwischen diesen beiden Extremen zu finden. Leicht ist es nicht, denn die bretonische Sprache wird zu wenig in der Presse und in den Medien verwendet und ist im Allgemeinen zu wenig verbreitet, als dass sich ein Standard herauskristallisieren könnte. So ist zur Zeit der Stand der bretonischen Sprache, der sich in den Wörterbüchern und Lexika widerspiegelt. A galon FL Re: Bildungsroman / Weltanschauung Immi, 2002-03-21 15:33:09 Beim Lesen all dieser interessanten Beiträge kommt bei mir nun aber doch eine große Unsicherheit in Bezug auf mein kleines dt.-bret. - bret.-dt. Wörterbuch (von Gérard Cornillet, erschienen bei Mouladurioù Hor Yezh, 2000) auf, denn nicht ein einziger von den dort für "Weltanschauung" gesetzten bretonischen Begriffen scheint korrekt zu sein. Ist das nur zufällig bei diesem Wort der Fall oder ist diesem Wörterbuch auch im allgemeineren Sinne nicht zu trauen? Gibt es ein besseres für den deutschsprachigen Leser? Und sagt mir bitte auch : Welches ist das beste bret.-frz. - frz.-bret. Wörterbuch? A galon Immi Re: Bildungsroman / Weltanschauung herve gouedard, 2002-03-21 18:27:52 Das Problem, das Du erwähnst liegt mehr an der - bisherigen- allgemeinen Unsichercheit der bretonischen Sprache, was die philosophischen Fachausdrücke betrifft, als an einem etwaïgen Mangel seitens GC. Bisher verfügen wir im bretonischen über sehr wenige philosophische Schriften.Daher der UNterschied, der einem DEutschen auffällt, dessen Sprache dazu beigetragen hat, die wichtigsten philosophischen Begriffe der 19ten und 20ten Jahrhunderte zu scmieden. Ausserdem kann man von einem solch bescheidenen Wöreterbuch nicht erwarten, dass es auf FRagen eingeht, über welche die bretonischen Sprachwissenschatler sich noch nicht geeignit haben. Sonst ist dieses Wörterbuch meines Erachtens ganz gut. Ich weiss nicht, was Fransoaz davon hält a galon herve Re: Bildungsroman / Weltanschauung Immi, 2002-04-02 19:29:37 Ganz herzlichen Dank, Herve und Frañsoaz für eure Antworten! Herve, die Bretonen werden sicher bald die besten Funde für die noch mangelneden Ausdrucksweisen dieser und jener Begriffe aufweisen können. Total-super, Frañsoaz, deine wunderbar klare und ausführliche Darstellung der Dinge. Der anzustrebende MITTELWEG wird sich wohl auch langsam herauskristallisieren. Denn das ist ja ganz klar: weder eine exzessive Überschwemmung fremder Übernahmen, noch ein völliges "Einstammen" und sich gegen alle anderen Einflüsse Abkapseln kann das Leben einer Sprache garantieren. Sprachen sind "Lebewesen", die lebendiges Gedeihen und sich Entfalten bedürfen. Bei zu kargen oder wirklich schlechten Lebensbedingungen können sie verkümmern, wobei der Auslöser eines solchen Verkümmerns nicht unbedingt stets ein Niederhalten oder Zunichtemachen des Sprach-Selbstgefühls der Sprecher sein muss. In ebenso schlimmem Maße kann sowas auch durch ein zu statisches, zu puristisch-intransigentes Erhaltenwollen bewirkt werden, nicht? Das nicht Einigsein und heftige Herumbeißen der Bretonisch-Experten und Sprecher ist eigentlich doch ein exzellentes Lebenszeichen! Interessant, was du von der Satzstellung sagst. Hoffentlich verkommt die echte nicht zu sehr! Wie steht das denn bei den Sprachmethoden in diesem Bezug ? Lehrt "Ni a gomz brezhoneg" eine wahre bretonische Satzstellung? Und "Brezhoneg buan hag aes"? Welche modern-bretonische syntaktische Abschwenkungen ins Französische gibt es da ? A galon, Immi Re: Bildungsroman / Weltanschauung Frañsoaz Lermen, 2002-04-03 01:44:09 Hallo Immi! Die Methode, die ich bevorzuge ist "Ni a gomz brezhoneg". In "Brezhoneg buan hag aes" sind leider einige Klöpse, die ganz eindeutig auf den Einfluß des Französischen zurückzuführen sind. Hier ein paar Beispiele: "Pelec'h emañ da dad?" "Er mor emañ" (französisch "en mer") Beim Lesen dieses Satzes habe ich mich unwillkürlich gefragt, ob der arme Mann etwa ertrunken wäre, denn bisher hatte ich immer folgendes gehört: "kouezhañ er mor", "beuzet er mor" JEDOCH "bezañ war ar mor", "mont war ar mor" (oder "war vor" ohne Artikel und mit Mutation). Noch schlimmer finde ich den Satz: *"Emeur dija erru", der wortwörtlich aus dem Französischen (on est déjà arrivé) übersetzt wurde, wobei in Französisch "on" für "nous" steht, wie es in der Umgangssprache üblich ist. Selbst wenn die Wortreihenfolge richtig wäre (emeur erru dija), würde dieser Satz komisch klingen. Er würde sich nämlich genauso anhören wie "Man ist schon angekommen" für "Wir sind schon angekommen". Daher sollte es heißen: "emaomp erru" oder, umgangssprachlicher: "setu ni erru", denn in Treger und in einem Teil von Kernev wird "emañ" nur in der 3. Person Singular und Plural (emaint) verwendet. Die unpersönliche Form, die im Bretonischen niemals die 1. Person Plural ersetzen sollte, wurde sowieso früher sehr sparsam verwendet. Sie kam zwar in Sprichwörtern vor, wie "ne c'heller ket bezañ ha bezañ bet", wurde jedoch, in der Umgangssprache, meistens durch das Passiv wiedergegeben. Alte Leute, die ihr Leben erzählten sagten z.B. "gwechall veze lâret, veze gwelet, veze klevet, ne veze ket graet giz vez graet bremañ..." Junge Leute würden heute sagen "ne reer ket bremañ evel ma raed gwechall". An solchen Sätzen merkt man ganz deutlich den Einfluß des Französischen. Und noch ein letztes Beispiel: Im Buch "Brezhoneg buan hag aes" findet man den Satz: "Pegoulz e klevor brezhoneg er skingomz?" (Wann wird man Bretonisch im Runkfunk hören?) Das Wort "skingomz" gefällt mir gut, denn warum sollte man nicht in der eigenen Sprache schöpfen, um neue Wörter zu bilden - dies wurde schließlich auch in Deutsch gemacht mit den Wörtern "Rundfunk", "Fernsehen". Aber der Satz würde mir viel besser gefallen wenn er so lauten würde: "Pegoulz e vo klevet brezhoneg..." und dafür würde ich sogar das Wort "radio" in Kauf nehmen, denn ein Fremdwort ist nicht so schlimm wie eine fremde Satzstruktur. A galon FL Re: Bildungsroman / Weltanschauung Immi, 2002-04-29 19:14:39 Liebe Frañzoas, Riesendank für die wunderbaren Erklärungen ! Verzeih nur bitte die enorme Verspätung meiner Antwort. Wie gut, mit deiner Hilfe wiedermal so viel klarer zu sehen. Vorallem das mit der unpersöhnlichen Form und ihrer sparsamen Anwendung, sowie der Bevorzugung der Passivform, die uns Deutschsprechenden ja auch sehr entgegenkommt. Wonach könnte man sich denn nun aber am besten richten, um zu unterscheiden, wann die unpersöhnliche und wann die Passiv-Form bevorzugt wird? Bei dem Beispiel mit dem Sprichwort denke ich, dass die unpersönliche vielleicht mehr bei verallgemeinernden Aussagen oder bei solchen, die einen guten Rat enthaltenen (wie das ja gerne in Sprichwörtern geschieht) am Platze ist? A galon, Immi P.S. In welchem Teil von Kernev wendet man denn EMAÑ nur in der dritten Person Singular an ? Re: Bildungsroman / Weltanschauung Frañsoaz Lermen, 2002-04-30 01:47:03 Hallo Immi! Eigentlich wird bei allgemein gültigen Aussagen eher die Passivform bevorzugt. Manche Verben (gallout, mont, dont...) lassen sich jedoch nicht ohne weiteres ins Passiv setzen. Dies gilt auch im Deutschen, denn die Passivform "es wird nicht gekonnt" würde ziemlich dämlich klingen. Daher verwendet man die Form "man kann nicht", die der unpersönlichen Form "ne c'heller ket" entspricht. Dies bedeutet natürlich nicht, dass die unpersönliche Form nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommt. Sie ist aber in der Praxis bei weitem nicht so beliebt wie in den Lehrbüchern. Und vor allem wird sie - anders als im Französischen - niemals anstelle der 1. Person Plural verwendet. Allgemein wird im Bretonischen (vor allem in der gesprochenen Sprache) das Passiv öfter verwendet als im Deutschen. Und nicht nur bei allgemein gültigen Aussagen oder anstelle der unpersönlichen Form, sondern auch in Fällen, in denen das Deutsche eher die Aktivform bevorzugt. Hier ein paar Beispiele: Ich habe zu Abend gegessen = Debret eo koan ganin Hast du deine Arbeit beendet? = Echu eo da labour ganit? Hast du etwa bretonisch verlernt? = Kollet eo da vrezhoneg ganit? Was "Emañ" betrifft, wird diese Verbform nur in der 3. Person Singular und Plural logischerweise in dem Teil von Kernev verwendet, der an Treger angrenzt und in den Gebieten, die mit Gwened benachbart sind, denn in Gwened wird "emañ" auch nur in der 3. Person Singular und Plural verwendet. Die Vergangenheitsform von "emañ" (edo) wird ausschließlich in Leon und in der literarischen Sprache verwendet. Außerhalb von Leon ist sie in der gesprochenen Sprache unbekannt. A galon FL |
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